„Make Orwell fiction again“: Was bedeutet das?
Worum geht es in 1984?
Um einen Staat, der jede Wohnung mit einem Bildschirm ausstattet, der zugleich sendet und aufzeichnet. Um eine Behörde, die Zeitungsarchive nachträglich ändert. Um eine Sprache, die so umgebaut wird, dass bestimmte Gedanken sich nicht mehr formulieren lassen.
Der Roman erschien 1949. Orwell schrieb ihn als Gegenwartskritik am Stalinismus und an der Propaganda des Zweiten Weltkriegs, nicht als Vorhersage.
Worauf zielt der Spruch heute?
Auf Videoüberwachung im öffentlichen Raum, auf Gesichtserkennung, auf Sprachassistenten mit offenem Mikrofon im Wohnzimmer und auf die Sammlung von Bewegungsdaten. Die Parallele zum Televisor drängt sich auf und wird gern gezogen.
Ist der Vergleich fair?
Nur halb. Orwells Überwachung dient einem Staat, der Menschen bricht. Die heutige dient überwiegend Unternehmen, die Werbung verkaufen wollen, und sie beruht darauf, dass Leute die Geräte freiwillig kaufen.
Das ist ein Unterschied, den der Spruch einebnet. Dass er trotzdem trifft, liegt an den Stellen, an denen beides zusammenfällt.
Woher kommt die Formel?
Aus der langen Reihe von Abwandlungen des Wahlkampfslogans Make America Great Again. Die Bauform ist inzwischen so bekannt, dass sie ohne Erklärung funktioniert.
Das Shirt dazu steht bei uns.
Und, gemerkt?
Auf welchen Roman spielt „Make Orwell fiction again“ an?
